Kaunertal Review 2016

March 17th

Ausgelassene Stimmung und dennoch Vernunft und Vorsicht
Nach einem nur 15 minütigen Aufstieg befand sich die Gruppe oberhalb eines 500m langen Hangs. 2880m ü. M., 35-38 Grad steil, Nord-Nordwest exponiert, 150m breit. Die Kristalle glitzerten und auch die Augen der Teilnehmer funkelten. Trotzdem beschloss die Gruppe, wieder etwas abzusteigen und die Schwünge in einen tiefer gelegenen, etwas flacheren und günstiger exponierten Hang zu ziehen. Es hätte die schönste Abfahrt der Saison sein können. Möglicherweise aber auch die letzte des Lebens. Am selben Tag starben sechs Italiener im Südtirol in einer Lawine.

Am vergangenen Wochenende fand der dritte Kick The Vik Eco Freeride Tour Stopp im Kaunertal statt. Zur gleichen Zeit und am gleichen Ort fand das Freeride Testival statt. Die Kick The Vik Crew hatte die Möglichkeit, einen Unterschlupf im Materiallager auf 2750m zu finden, während andere Teilnehmer ins Tal reisen mussten oder im Wohnmobil auf dem Parkplatz verweilten. Aufgrund der vielen Wohnmobile und Busse schien es, als gäbe es etliche Vorteile, die Nacht hier oben zu verbringen, anstatt 30 Minuten ins nächstgelegene Dorf zu fahren.

Der offizielle Eventbeginn war am Samstag. Die Kick The Vik Crew traf jedoch bereits freitagmorgens ein, um sich über die Schnee- und Lawinensituation zu informieren. Schon seit zwei Tagen testeten Händler die nächstjährigen Skis am Freeride Testival. Unglücklicherweise wurden dadurch die Hänge im Gebiet schon stark befahren, was für das Kaunertal eigentlich unüblich ist. Aber das sollte für das Freetouring-orientierte Team kein Problem darstellen.

Kaum war das Skigebiet geschlossen, wurden einige Schnitzel und Pommes verspeist, bis sich das Team in den Raum ohne Licht verkroch. Auch wenn Taschenlampen genug Licht lieferten, ging es früh zu Bett, um für den Event gewappnet zu sein.

Samstag

Die Prognosen waren herrlich und so kam es auch! Die Lawinenwarnstufe wurde von erheblich auf mässig herabgesetzt. Die Schweizer Teilnehmer mussten feststellen, dass dies in Österreich etwas anders formuliert wird als in ihrer Heimat. Während man in der Schweiz sagen würde: „erheblich oberhalb von 2400m“, schreibt das Bulletin in Österreich: „mässig“. Erst im Beitext wird erwähnt, dass für Nordhänge trotzdem die Warnstufe „erheblich“ gilt.

Auf dem Parkplatz rummelte es, die Vertreter der verschiedenen Skimarken bauten ihre Stände auf. Innerhalb kürzester Zeit war dar Parkplatz zu einer Zeltstadt verwandelt worden. Nach dem Empfang der Teilnehmer ging es mit den Fellen ungewohnterweise auf der Piste zu einem wunderschönen, unverspurten Westhang hoch. Von dort aus folgten zwei weitere Aufstiege mit schönen Abfahrten. Die Gruppe war “easy“ drauf, wie Markus Boss so häufig sagte, vielleicht auch zu oft.

Der Schnee war gewaltig, nur an wenigen Stellen war schwerer Schnee anzutreffen. Mit dem letzten Aufstieg zogen einige Wolken auf und die Sicht verschlechterte sich. Trotzdem folgte noch die Spass-Line zum Abschluss, wo die Pillows noch Powder hatten und die Tannen genug Kontrast für Freudeschreihe zuliessen. Schliesslich kam die Gruppe nicht am Ausganspunkt an, sondern auf einer Strasse auf 1900m ü. M.

Die Übernachtungsstelle konnte zwar über die Passstrasse erreicht werden, lag jedoch stolze 900m höher und 9km weit entfernt. Gott sei dank gab es noch das Postauto, das per Zufall die Gruppe kreuzte und sie einsteigen liess. An der Talstation angelangt, war der Sessellift bereits geschlossen, der die Gruppe zur Unterkunft bringen sollte. Das Verfahren, wie die Gruppe dennoch mit dem Sessellift zum Ausgangspunkt gelangte, lässt den Organisator Markus Boss auch jetzt noch schmunzeln. Nach dem Nachtessen ging es wieder in den Schuppen, wo sich an diesem Abend ein paar Leute mehr dazugesellten. Beim Ausfall der letzten Taschenlampe ging es dann auch schon wieder früh in den Schlaf.

Sonntag – Jam on little Alaska

Die Prognose waren 9.2 Sonnenstunden, doch der Nebel am Morgen liess die Gruppe nicht von seinen geplanten Touren abbringen. Zuerst etwas Kaffee, dann ging es bei schönstem Wetter los – wäre man doch schon früher aufgebrochen! Am Tag zuvor konnten zwar etliche Höhenmeter vertilgt werden. Der Gruppe fehlte bis jetzt aber die Möglichkeit, einen Hang von unten anzuschauen und Lines für einen Jam zu planen. Ein solcher Hang wurde von Markus bereits am Freitag dem Bergführer vorgeschlagen und konnte nun nach einigen Sonnenstunden sicher befahren werden. Die Kategorien Ski und Snowboard wurden miteinander verknüpft. Der 40-jährige Stehen Nieberle wurde aufgrund seiner flüssigen Eröffnung der Linie als Gewinner ernannt. Aber auch der 23-jährgie Simon aus Deutschland hat mit einer schönen Straightline durch eine Shark-gespickte Rinne und einem schönen Cliff zum Schluss eine unverkennbare Line gezeichnet. Auf dem dritten Platz stellt sich bereits der Snowboarder Andy Halter weil er trotz schwierigen Schneebedingungen den Flow nicht verlor. Wie man an der online Wertung von z.B. Stefan Nieberle unschwer erkennen kann ist der Jam effektiv ein Plauschturnier, trägt aber stark zur Unterhaltung bei:

King of drops: simon annies => going for the big drop with penis - landing

King of easy: markus boss => creative line with a smile on his face

King of smooth snowboarding: andy halter => i liked the control in your line

King of steep: stephane ponte => going steep for the first time! Knows how to make almost everybody think that he had an avalanche in his run ;-)

Queen of Pommes: lea schneider=> always smiling even without her snowboard

King of heels: matthias sonderegger=> you got so hot during your run that you needed cold snow right in the face urgently! And you went for it!

I Just feeling like a king because of enjoying such a great day with all you guys: stefan nieberle

Big A for Danny kicking it for the first time on the way up!

Winner of pics: Urban ==> loving so many of your pics!!!

Organisator Markus Boss stand auch oben und liess sich die Möglichkeit nicht nehmen, den Hang als letzter zu befahren. Obwohl er sich nach den ersten Events im Jahre 2009 gesagt hatte, nicht mehr als Teilnehmer mitzumachen, entschied er eigenhändig, seine Abfahrt in die Wertung aufzunehmen. “Wenn man mit einer so tollen Gruppe den Tag verbringen kann und dabei beinahe vergisst, kein Teilnehmer zu sein, dann empfinde ich es als natürlich, dies so handzuhaben“, so Boss.

Bis auf Simon, der mit seinem Backslap in der Landung nicht ganz glücklich war, waren alle zufrieden. Noch bis 16 Uhr wurden Hänge und Täler beschnuppert, bis alle erschöpft wieder zur Passstrasse gelangten. Und dieses Mal funktionierte der vereinbarte Hitchhike mit den Shuttles!

In zwei Wochen an Ostern macht die Kick The Vik EFT Halt in Maloja, wo der letzte Stopp in diesem Jahr ausgetragen wird. Zudem wird dies der letzte Stopp der Eco Freeride Tour überhaupt sein.

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